IHR SCHICKSAL VERWALTE ICH

Sie kennen mich noch nicht – aber eines Tages werden Sie mich vielleicht kennen lernen, mich oder einen meiner Kollegen. Man bezeichnet uns als

BERUFSBETREUER

aber das wird Ihnen nicht viel sagen. Betreuung im eigentlichen Sinne des Wortes – also Pflegen, Waschen, Nahrung anreichen, Gesellschaft leisten, Rollstuhl schieben – das alles ist nicht unsere Aufgabe. Jene, die früher unseren Job machten, nannte man

VORMUND

Unsere Aufgabe ist es, Menschen, die ihre Angelegenheiten aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht selber regeln können, helfend und unterstützend zur Seite zu stehen, mitunter auch gegen ihren Willen. Im Grunde sind wir

 SCHICKSALSVERWALTER

Sozialabbau an anderen Stellen und die zunehmende Verschärfung der wirtschaftlichen Situation führen zusammen mit der demographischen Umschichtung dazu, dass immer mehr Menschen immer mehr Dinge über den Kopf wachsen. Immer öfter wird eine „Krankheit oder Behinderung im Sinne des Betreuungsrechts“diagnostiziert. "Gegen den freien Willen eines Volljährigen darf ein Betreuer nicht bestellt werden, heißt es in § 1896 I a BGB, aber -

WANN IST EIN WILLE FREI; UND WER STELLT DAS FEST?

Man wird Ihnen sagen, dass Sie es vermeiden können, mir und meinesgleichen zu begegnen, wenn Sie rechtzeitig Vorsorge treffen, Vorsorge in Form einer sogenannten

VORSORGEVOLLMACHT,

Aber wenn Sie Pech haben, dann geht es Ihnen wie Frau Demut. Die lernte ihren Bevollmächtigten erst richtig kennen, als dank und aufgrund seines zweijährigen Wirkens ihr inzwischen überschuldetes Eigenheim zum Verkauf stand, Ersparnisse im sechsstelligen Bereich verschwunden waren und sie bei den Nachbarn um Essen betteln musste. Dafür bekam er dann zwei Jahre auf Bewährung, denn – so meinte das Gericht – im Grunde hat sie es ja selbst so gewollt.

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