IHR SCHICKSAL VERWALTE ICH

Die Vorsorgevollmacht wird als Akt der Selbstbestimmung und der verantwortungsvollen Vorsorge gerühmt. Fraglich ist jedoch, ob sich dadurch tatsächlich zusätzliche Ressourcen erschließen lassen. Als Bevollmächtigte kommen am ehesten jene Freunde und Angehörige in Betracht, sie sich auch bereit fänden, eine ehrenamtliche Betreuung zu übernehmen.

Andererseits gibt es auch viele ältere alleinstehende Menschen, die recht wohlhabend sind. Wenn die Unfähigkeit, einen geeigneten Bevollmächtigten zu finden, zum persönlichen Versagen bei der eigenverantwortlichen Vorsorge wird, erhöht sich die Gefahr, dass ehemalige Heiratsschwindler sich zunehmend als „Seniorenflüsterer“ betätigen und sich mit Bereicherungsabsicht ins Vertrauen vermögender älterer Personen einschleichen.

Das, was teilweise aus dem Internet heruntergeladen wird, um es für den Fall der Fälle unterschrieben irgendwo zu deponieren, ist schon deshalb von zweifelhafter Qualität, weil die Angaben oft nicht den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden.

Diese Formulare sehen zum Teil vor, dass der Bevollmächtigende von Zeit zu Zeit durch Unterschrift bestätigt, dass er die Vorsorgevollmacht aufrecht erhält. Ich habe derartige Vollmachten gesehen, in denen schon alle Unterschriftszeilen ausgefüllt waren und nur von Zeit zu Zeit durch wen auch immer ein aktuelles Datum hinzugefügt wurde.

Da privatschriftliche Vollmachten von Geldinstituten nicht anerkannt werden und viele davor zurückschrecken, die Vorsorgevollmacht durch einen Notar beglaubigen zu lassen, wurde die Möglichkeit eröffnet, dass auch die Betreuungsbehörden Vorsorgevollmachten beglaubigen dürfen. Es ist aber fraglich, ob man bei einer Entscheidung von derartiger Betreuung die Schwelle tatsächlich herabsetzen sollte.

Es wäre jedenfalls sinnvoll, die Selbstverantwortung nicht nur auf die Bevollmächtigung als solche, sondern auch auf die Etablierung eines Kontrollsystems zu erstrecken. Die Gefahr ist sonst groß, dass man sich durch einen letzten Akt der Selbstbestimmung in einen quasi rechtsfreien Raum begibt, aus dem man nur noch entkommen kann, wenn DritteVernachlässigung bemerken und öffentlich machen.