IHR SCHICKSAL VERWALTE ICH

Die Geschichte beginnt mit dem Kurator im römischen Recht. Der übt nach dem Zwölftafelgesetz „Macht und Gewalt über einen freien Bürger, um ihn zu schützen“ aus. Innerhalb der germanischen Sippe, der sogenannten „munt“ werden die Hilfsbedürftigen auch beschützt. Die, die keiner Sippe angehören, fallen unter den Königsschutz. Die Landesherren delegieren diese Aufgabe an Gerichte oder Beamte der kommunalen Obrigkeit.

Die Materie wird zunehmend komplizierter, die Mitwirkung von Rechtsgelehrten unverzichtbar. Als 1875 die preußische Vormundschaftsordnung in Kraft tritt, werden Vormundschaften fast ausschließlich von Juristen geführt.

Der Vormund sind nun nicht mehr Beauftragter des Staates, sondern ein vom Vormundschaftsgericht kontrollierter Vertreter des Mündels. Ab 1877 geht der Bestellung eines vormunds die gerichtliche Erklärung der Entmündigung des Mündels voraus. So bleibt es im Prinzip bis 1992, obwohl sich im Laufe der Zeit einiges ändert.

Die vermögenden Mündel, bei denen die Vormünder das Geld für ihre Tätigkeit aus dem Vermögen entnehmen können, werden immer seltener, und Entlohnung aus der Staatskasse ist nicht vorgesehen. Einige Anwälte klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. Das entscheidet am 1. Juli 1980, dass Rechtsanwälte einen Erstattungsanspruch gegen den Staat haben, wenn sie so viele Vormundschaften und Pflegschaften über mittellose Personen führen, dass sie dies aufgrund des Umfangs nur als Teil ihrer Berufsausübung wahrnehmen können.